Herausforderungen beim Umweltschutz in der Schweiz

Publié le: 23 Mär 2010

1. Welche Anforderungen müssen die Schweizer Unternehmen gemäss Umweltrecht erfüllen?

 

Es gibt sehr unterschiedliche, mehr oder weniger zwingende Vorschriften. Hier einige Beispiele:
  • Verbot von gewissen umweltschädlichen Bestandteilen oder Produkten (z.B. FCKW im Bereich Kühlsysteme);
  • Lenkungsabgaben (beispielsweise die CO2-Abgabe auf Brennstoffe);
  • Anforderungen bezüglich der Transparenz (Angabe von Herkunft, Zusammensetzung oder Herstellungsart der Produkte);
  • Bauvorschriften für gewisse Infrastruktur- oder Betriebsanlagen (z.B. eine zwingende Umweltverträglichkeitsprüfung);
  • Vorschriften im Bezug auf die Mobilität (etwa Beschränkung der Anzahl Parkplätze).

2. Welches sind die Prioritäten und die Herausforderungen in diesem Bereich?

Viele Bestimmungen sind nicht zwingend und hängen vom Goodwill der Unternehmen beziehungsweise dem Druck der Konsumenten ab. Dennoch konnten Fortschritte verzeichnet werden. Die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Statistik BFS besagen, dass der durch die Schweizer Wirtschaft verursachte CO2-Ausstoss zwischen 1990 und 2005 um 1% zunahm, während das reale BIP um 18,7% stieg. Es hat also eine relative Entkoppelung zwischen Wachstum und Energieverbrauch stattgefunden.

Es gibt aber noch viel zu tun, beispielsweise die Einführung des Top Runner Prinzips, das fordert, dass die energiesparendsten Produkte innerhalb einer vorgegebenen Frist zum Standard werden. Oder die „best regulatory practice“, die vorsieht, dass wenn in anderen Ländern weitergehende Standards festgestellt werden, die Verwaltung die eigenen Standards an diese weitergehenden Standards anpassen kann.


Des Weiteren sollte die Transparenz erhöht werden, etwa indem man von den Unternehmen nach strengen Kredibilitätskriterien aufgestellte Umweltberichte verlangt. Und die Umweltsteuern sind eine Baustelle. Wir warten zum Beispiel immer noch auf eine wirkliche Lenkungsabgabe auf Treibstoffe. Noch grundlegender ist die Förderung der Grundsätze der industriellen Ökologie, etwa durch die Schaffung von ökologischen Industrieparks. („eco-industrial parks“). Ausserdem sollte das Ausbaupotenzial der Ökonomie der Nutzung ausgewertet und gefördert werden.

3. Welche nicht gewinnorientierten Organisationen sind auf nationaler und auf internationaler Ebene die Hauptakteure im Bereich Umweltschutz (Wasser, Ressourcen, Energiesparen)?

Der WWF ist und bleibt sowohl national als auch international die erste Referenz. Doch es gibt viele andere kompetente Akteure wie pro natura oder den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS).

Einige Vereinigungen sind Experten im Bereich „Wirtschaft und Umwelt“ und unterstützen Unternehmen aus eigener Kraft, so etwa öbu, écoparc (Netzwerke für nachhaltige Unternehmen) oder APRES (Kammer für soziale und solidarische Wirtschaft). Auch den öffentlichen Institutionen nahe Akteure helfen den Unternehmen dabei, ihre Praktiken zu ändern. Dies ist zum Beispiel bei der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) der Fall.

4. Wie können Unternehmen ihre Aktivitäten und ihr Engagement stärken?

Die meisten NRO im Bereich Umweltschutz bieten den Unternehmen Projektpatenschaften oder Partnerschaften an. Der WWF bietet gar die Möglichkeit, einem Netzwerk für eine Reihe von Engagements zu spezifischen Themen beizutreten wie der „Climate Group“, in der sich Unternehmen zusammengeschlossen haben, die ihren CO2-Ausstoss reduzieren.

5. Was sind die kleine Gesten für ein öko-freundliches Unternehmen?

Kleine Gesten wie das Verwenden von Recyclingpapier, die Bekämpfung des Stand-by-Modus, das Installieren von Wasserspareinsätzen oder Stromsparlampen sind natürlich hilfreich. Sie entbinden jedoch nicht von grundlegenderen Überlegungen innerhalb eines Unternehmens.

Ein Unternehmen kann sich voll fürs Umweltmanagement engagieren: die Energieeffizienz der Gebäude verbessern, einen Mobilitätsplan für die Mitarbeitenden einführen oder sich für eine ökologisch bewusste Einkaufspolitik entscheiden. Diese Anstrengungen sind natürlich sinnlos, wenn sie im Rahmen der Herstellung eines umweltschädlichen Produkts erfolgen.

Es ist wichtig, sich auch hierüber Gedanken zu machen und eine Ökobilanz des Produkts zu ziehen, um die Auswirkungen und vor allem das Verbesserungspotenzial besser zu erkennen.

6. Ist die Einkaufspolitik („Procurement“) der Hauptschlüssel zu einer umweltverträglichen Wirtschaft?

Es ist sicher ein zwingend nötiger Schritt. Ein seriöses Erfassen aller ökologischen Anforderungen verlangt vom Unternehmen das Durchdenken seiner gesamten Produktionskette, von den Rohstoffen bis zum Lebensende des Produkts, unter Berücksichtigung

7. Was halten Sie von „Grünen Fonds“ und den „Equator Principles“?

Investitionen müssen unbedingt in Richtung der umweltverträglichsten Unternehmen und Wirtschaftszweige gelenkt werden. Grüne Fonds sollten auf freiwillige Weise durch die Gemeinschaften gefördert werden, insbesondere im Zusammenhang mit Investoren der öffentlichen Hand und Pensionskassen. Generell sollte mehr Transparenz herrschen. Wer kann heute sagen, wie sein Geld aus der zweiten Säule verwaltet wird? In diesem Bereich gilt es noch viel Aufklärungs- und Anreizarbeit zu leisten. Gewisse Vereinigungen haben sich dies zur Aufgabe gemacht.

8. Welches sind Ihrer Meinung nach die nützlichsten Links, um mehr darüber zu erfahren?

Umweltmanagement :
Ökobilanz:
Umweltschutz-NPO :
Vereinigung oder Netze "Wirtschaft und Umwelt" :
Solidarische Wirtschaft :
Energieeffizienz für Unternehmen:
Webseite "Unternehmen" von EnergieSchweiz:
Webseiten "Wirtschaft"und "Konsum und Produkte" des Bundesamtes für Umwelt :
Nachhaltige Anlagen und Kapialbeteiligungen :

 

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