1. Das Zentrum für Studie und Forschung zur Philanthropie CerPhi hat einen Monatsbarometer „Freigiebigkeitsklima der Franzosen“ eingerichtet. Können Sie uns erklären, wie er funktioniert und was die ersten Resultate sind? Zeigt die Entwicklung dieser Zahlen übers Jahr, dass die Freigiebigkeit abnimmt oder sich die Mitbürger im Gegenteil mehr engagieren?
Vor einem Jahr, als die Finanzkrise Europa direkt traf, haben wir den ständigen Barometer „Freigiebigkeitsklima der Franzosen“ errichtet, um ihre Auswirkungen auf die Spendenabsicht der Franzosen genau verfolgen zu können. Würde sie aufgrund der Besorgnis zurückgehen oder als Reaktion der Solidarität steigen? Jeden Monat wurden 1ʼ500 Spender telefonisch befragt, ob sie in diesem Jahr mehr, weniger oder gleich viel wie im Vorjahr zu spenden beabsichtigten. Der Barometer liefert jeden Monat auf der Basis ihrer Spendenabsichten ein Stimmungsbild der Franzosen.
Und die Stimmung hält an. Seit November 2008 erklärten relativ stabil rund 70% der Franzosen, sie wollten gleich viel spenden wie im Vorjahr, insbesondere betagte Menschen und jene Personen, welche die grössten Spenden geben.
Angesichts der ersten, von den Vereinigungen angekündigten Ergebnissen der Sammlungen scheint es, dass die Befragten ihre Grosszügigkeit gar unterschätzten.
Gemäss dem Vereinigungsvorstand von France générosités stiegen die Spendenbeiträge im Laufe des Quartals 2008 (+ 6 % verglichen mit 2007). Gleichzeitig kündigten die Lebensmittelbanken einen Spendenzuwachs von Privaten um 25% an. Diese Entwicklung setzte sich auch in den ersten beiden Quartalen 2009 fort.
Gemäss dem Vereinigungsvorstand von France générosités stiegen die Spendenbeiträge im Laufe des Quartals 2008 (+ 6 % verglichen mit 2007). Gleichzeitig kündigten die Lebensmittelbanken einen Spendenzuwachs von Privaten um 25% an. Diese Entwicklung setzte sich auch in den ersten beiden Quartalen 2009 fort.
Natürlich sind die Zahlen für die letzten beiden Quartale noch nicht bekannt, doch alle Zeichen weisen in die gleiche Richtung: das Engagement der Spender erhöht sich, wenn der Bedarf nach Solidarität zunimmt.
2. Wie steht es bei den Unternehmen? Sieht man mit der Ankunft der neuen Generation einen Unterschied, und wie sehen Sie die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Ansehen und Grosszügigkeit?
Für 2009 liegen uns noch keine bestätigten Zahlen zu Unternehmensspenden vor. Die letzten Schätzungen von Admical stammen von 2008 (2,5 Milliarden Euro).
Das Mäzenatentum steigt deutlich, was sich auch in der höheren Anzahl von Unternehmensstiftungen seit den neuen Steuervorschriften von 2005 und dem Gesetz über die Unternehmensstiftungen („Loi Aillagon“) widerspiegelt. Die KMU entwickeln sich etwas langsamer, besonders weil ihre finanzielle Integrität anfälliger ist und sie noch keine Zeit für strategische Überlegungen hatten, welche ihnen erlaubt hätte, von einer Investition ins Mäzenatentum zu profitieren.
Unternehmensspenden haben zunehmend einen strategischen Charakter. Die Unternehmen erhoffen sich einen Zugewinn durch die Verbesserung des sozialen Klimas (durch das Einbeziehen der Mitarbeitenden in die Projekte) und ihres guten Rufs bei den verschiedenen Stakeholdern.
Partnerschaften mit Vereinigungen, ob es sich nun um Mäzenatentum oder eine andere Form von Partnerschaft handelt, sollen den Unternehmen oft auch dabei helfen, ihre CSR-Pflichten zu erfüllen.
3. Können Sie uns als einer der Hauptakteure im Bereich philanthropische Forschung und als Mitglied des internationalen Netzwerks CerPhi International sagen, welches die derzeitigen grossen Trends in der Philanthropie sind? Welche Verbindungen bestehen zwischen Philanthropie und Corporate Social Responsability?
Gegenwärtig entwickelt sich die Philanthropie in Frankreich und in anderen Teilen der Welt rasch weiter durch eine neue Generation grosser Philanthropen (Personen, die ihr Vermögen selbst aufgebaut haben im Gegensatz zu jenen, die es geerbt haben). Sie spenden in erster Linie aufgrund des Wunsches nach effizientem Handeln, und nicht weil sie sich dazu verpflichtet fühlen.
Diese neuen Philanthropen wollen sich vermehrt am Management der Projekte beteiligen, die sie finanzieren. Sie wenden auf ihre philanthropischen Projekte die Management- und Kommunikationsmethoden an, die sich auch in Unternehmen bezahlt gemacht haben. Sie wählen im Vergleich zu ihren älteren Zeitgenossen Projekte nach ihrem sozialen Nutzen aus, nehmen eine Auswertung vor und beobachten deren Auswirkungen auf ihre Investitionen.
Sie erwarten massgeschneiderte Dienstleistungen, was die Stiftungen veranlasst, sich neu zu strukturieren, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Schliesslich tragen sie dazu bei, dass neue Beratungsdienste in der Philanthropie entstehen.
4. Welche Internetseiten können Sie empfehlen, um mehr zu diesem Thema zu erfahren?






